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Scorpion: Disfigured So spaßig wie ein Skorpionstich?
Seite 1 \\ Von Kanonen, Klischees und Kampfanzügen

Scorpion: Disfigured gehört zu dem Typ Spielen, die sich nicht mit einer einfachen Plastikschachtel als Verpackung zufrieden geben. So kommt das Spiel in einem schicken aufklappbaren Pappschieber daher, auf dem dem potenziellen Käufer unmissverständlich beigebracht wird, was von dem Spiel zu halten ist. Ein fetter roter Streifen ist an die Oberseite geklebt auf dem ganz indiskret „Shooter-Geheimtipp.“ Steht. Klappt man den Schieber auf, findet man weitere aus einschlägigen Videospielmagazinen zitierte Aussagen, die auch alle sehr vielversprechend klingen, denen man aber deutlich anmerkt, dass sie allesamt nur aus Previews stammen. Liegt das nun daran, dass zum Druck der Verpackung einfach noch keine Rezensionen vorlagen oder kann das Spiel seine selbst aufgebauten hohen Erwartungen letztendlich doch nicht erfüllen? Unser Review bringt Licht ins Dunkel.


Von Kanonen, Klischees und Kampfanzügen
Wenden wir uns also nun erst einmal dem Spiel zu, behalten die Verpackung aber ein wenig im Hinterkopf, denn in gewisser Weise ist sie - wie sich im Laufe des Reviews noch herausstellen wird – von essenzieller Bedeutung für das Spiel.
Wir schreiben das Jahr 2048. Sarajewo ist vom Bürgerkrieg verwüstet. Als Spezialagent mit dem titelgebenden Decknamen „Scorpion“ müsst ihr einen Industriekomplex infiltrieren, in dem es scheinbar mit unlauteren Dingen zugeht. So sollen sich dort Menschenversuche abspielen, ein tödlicher Virus entwickelt werden und ein geheimer Kampfanzug entwickelt werden. Glücklicherweise gelang es einer Wissenschaftlerin, dem Komplex mit einem Prototyp des besagten Kampfanzugs zu entfliehen, was euch natürlich in die dankenswerte Lage versetzt, diesen Anzug für eure Mission zu nutzen, um einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Horden von Gegnern zu haben, die euch im Laufe des Spiels begegnen.

 


Waffen und Explosionen - da freut sich der Testosteronspiegel

 



Kampfanzüge, Viren, wissenschaftliche Experimente? Beim durchlesen des obigen Absatzes werden wohl nicht wenige sich stark an bekannte Titel der letzten Jahre erinnert fühlen. Und dies kommt natürlich nicht von ungefähr, denn die Story von Scorpion: Disfigured wirkt insgesamt wie eine unglaublich stereotypische Parodie auf das gesamte Shootergenre, fehlen eigentlich nur noch die fiesen Aliens, die nichts besseres zu tun haben, als aus unerfindlichen Gründen die Menschheit vernichten zu wollen. Nur Scorpion: Disfigured ist nun einmal keine Videospielparodie à la Eat Lead, sondern meint es ziemlich ernst mit der ganzen Geschichte. Nun kann man von einem Shooter, gerade von einem, der nicht einmal wirklich versucht anders zu sein, nicht erwarten, dass er eine allzu tolle Story bietet. Schließlich bieten Shooter selten eine Geschichte, die wirklich mehr tut, als einem einfach einen halbwegs plausiblen Grund zum Ballern zu liefern, aber selbst mit dieser Aufgabe ist Scorpion: Disfigured überfordert. Nicht nur, dass die Story durch mangelnde Kreativität auffällt, in gewisser Weise ist sie nicht einmal vorhanden. Startet ihr ein neues Spiel, werdet ihr nämlich nicht von einem erklärenden Intro-Video oder ähnlichem begrüßt, sondern werdet gleich ins Geschehen geworfen, ohne wirklich zu verstehen, was überhaupt gerade so vor sich geht. Wer nicht im Vorfeld zumindest mal einen Blick in die Anleitung oder eben jene glamouröse Verpackung geworfen hat, wird sich deshalb zunächst ziemlich wundern.

 


Ein Shooter wie jeder andere - oder nicht?

 


Und jetzt?
Vor den Kopf gestoßen fühlt man sich zu Beginn des Spiels aber nicht nur wegen der fehlenden Einführung in die Story, sondern auch wegen der nicht vorhandenen Einführung in die Steuerung. Natürlich sind die Grundzüge der Steuerung von Scorpion: Disfigured, nicht anders, als die aller anderen konventionellen Shooter, jedoch gestaltet sich die Stuerung insgesamt dann doch als sehr komplex. Es gibt unzählige verschieden Knöpfe, die jeweils andere Funktionen erfüllen und teils für ein ordentliches Vorankommen im Spiel unabdingbar sind. Nur doof, wenn man dann nicht erklärt bekommt, wie man seine Fähigkeiten überhaupt einsetzt. Auch hier ist wieder einmal ein Blick in die Anleitung unabdingbar.
Hinsichtlich des Gameplays lässt sich ähnliches sagen, wie zur Story, nämlich, dass es absolut stereotyp ist und somit absolute Standardkost bietet. Ihr habt ein halbwegs ordentliches Waffenarsenal zur Auswahl über das Spielfeld ist genug Munition verteilt, damit ihr dieses auch ordentlich einsetzen könnt und im großen und ganzen kommt es schlicht und einfach darauf an, eure Gegner umzunieten. Nicht besonders neu, weder von der Waffenauswahl, noch den Gegnertypen oder der Spielumgebung, aber das muss es ja auch nicht, zumindest nicht dann, wenn die Gegner halbwegs fordernd und das Gameplay abwechslungsreich sind. Nur leider lässt sich auch hier nicht allzu viel Positives sagen. Es hapert schlicht und einfach an der gekonnten Umsetzung. So wirken die Gegner beizeiten etwas hölzern und zeigen zwar ganz vielversprechende Ansätze in Sachen intelligentem Handeln, machen diesen Eindruck aber sehr schnell wieder durch ziemlich stupides Angriffsverhalten kaputt und so lässt sich nur sagen, dass die KI reichlich unausgereift ist.

 


Torkel, torkel.

 



Um die ganze Sache ein wenig spannender zu gestalten, wurden in das Spiel auch noch sogenannte Psi-Kräfte eingebaut. So verfügt ihr zum Beispiel über die Fähigkeit, mithilfe von Telekinese Gegenstände zu bewegen oder die Zeit zu verlangsamen (wodurch aber auch ihr selber verlangsamt werdet!), um so den Gegnern das Leben noch einmal besonders schwer zu machen. Da man allerdings für die meisten dieser Fähigkeiten erstmal mit der Maus in den Psimodus wechseln muss und dies auch einen kurzen Moment in Anspruch nimmt, bleibt es fraglich, inwiefern diese Fähigkeiten überhaupt sinnvoll vom Spieler genutzt werden, da zwar einige nett gemeinte Ideen dabei sind, die Psikräfte aber dennoch keinen nennenswerten Vorteil dem stumpfen Schießen gegenüber bieten.
Trotz Psikräften bleibt Scorpion: Disfigured somit nicht mehr als ein Shooter, der wirkt wie jeder andere, nur schlechter umgesetzt. Das mag vielleicht hart klingen und sicherlich kann man, wenn man will mit Scorpion: Disfigured auch seinen Spaß haben, doch sollte man sich fragen, ob man sich nicht vielleicht besseren Alternativen zuwenden sollte.


Klonk!

Ein Element von Scorpion: Disfigured, was wir bis jetzt komplett verschwiegen haben sind die „gezielt eingesetzten Horrorelemente“ (wo wir diesen Satz bloß wieder gelesen haben?), an denen sich gleichzeitig auch der technische Aspekt des Spiels ganz gut bewerten lässt.
Zunächst einmal sollte man nicht erwarten, dass einen ein Horror-Shooter à la F.E.A.R. erwartet. Vielmehr versucht das Spiel vor allem durch die Soundkulisse eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Und dazu muss man sagen, dass dies sogar an manchen Stellen halbwegs gut gelingt, auch wenn der Soundtrack an sich nicht überragend positiv ausfällt. Sonst ist soundtechnisch leider aber nicht viel drin. Dass deutsche Synchronisationen tendenziell ziemlich schlecht sind, daran ist man ja bereits gewöhnt und hier fügt sich Scorpion: Disfigured nahtlos in dieses Bild ein, was einen aber vielmehr stört, sind die teils schon sehr unschönen Soundeffekte. Eine Waffe abzufeuern hat sich selten so seltsam und einfach unstimmig angehört.

 


Optisch geht der Titel durch.

 


Grafisch reißt das Spiel auch keine Bäume um und wie bereits erwähnt, sind die Animationen nicht die tollsten, doch trotzdem ist die Grafik noch recht anständig geraten. Auch wenn man sich das eine oder andere an recht lieblosen Texturen oder Umgebungselementen ärgern muss. Ein Mehrspielermodus fehlt dafür leider komplett, was gerade für einen Shooter dieser Art ein wenig überraschend ist.
 

Entwickler b-cool interactive

Verlag Atari

Es ist das Jahr 2048. Die Erde ist nach einer unendlichen Kette von regionalen Bürgerkriegen und internationalem Terrorismus in weiten Bereichen des Mittleren Ostens und Südosteuropas nur noch ein zerstörtes, von Stammesfehden heimgesuchtes Land mit wenigen Inseln relativer Stabilität.  In dieser Situation erhält ein Agent eines amerikanischen Geheimdienstes den Auftrag, im weitestgehend zerstörten Bosnien einen chemisch-großindustriellen Komplex zu infiltrieren.      Seine Waffen: ein geheimer Kampfanzug, der dort entwickelt wurde - und das Wissen einer aus diesem Komplex geflohenen ... [...]

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