backtotop
Informationen
Frostpunk Die letzte Stadt muss überleben
Seite 1 \\ "Väterchen Frost sitzt mir im Nacken"
Entgegen der aktuellen sommerlichen Temperaturen taucht ihr in Frostpunk vom Entwicklerstudio 11 bit Studios in bitterste Kälte ein. Der Survival-Städtebau-Mix des Teams hinter This War of Mine verspricht hohen Anspruch und packendes Gameplay. Ob uns die Verantwortung für eine ganze Gesellschaft kalt gelassen hat, oder ob unser Herz mit Dampfkraft auf Hochtouren arbeitete erfahrt ihr in unserem folgenden Review. 

Es geht um's blanke Überleben. 1887 ist die Welt ein einziger Eisplanet, mit einer kleinen Gruppe Menschen könnt ihr euch in einen geräumigen Krater retten und einen Heizturm errichten. Doch das ist nicht die Rettung. Zum Heizen braucht ihr Kohle, Unterkünfte müssen gebaut, Kranke versorgt und hungrige Mäuler gestopft werden. Ihr leitet diese ungewollte Eis-Expedition in der es nur darum geht, den nächsten Tag zu erleben. Eure Entscheidungen, Weisungen und Handlungen beeinflussen die Zufriedenheit und Gesundheit eurer kleinen Gemeine. 

Wir leben, das zählt
Was sich zuerst grob heruntergebrochen liest ist auch der tatsächliche Inhalt von Frostpunk. Ihr kämpft mit jedem Klick um das Überleben eurer Leute und habt nur wenig Raum für Ruhe und Entspannung. Doch das ist alles andere als langweilig oder noch viel weniger einfach zu meistern. Ganz im Gegenteil. Frostpunk erweist sich als ein in gewisser weise extremes Spiel, da keine eurer Optionen eine einfache ist und ihr oft mit eurer Moral und eurer Humanität vor schwere Entscheidungen gestellt werdet. Der puristischste Kern des Spiels ist es, die Flamme nicht erlöschen zu lassen. Diese Metapher ist hier wortwörtlich zu nehmen, denn euer zentraler Dampfturm beheizt die Stadt und schützt die Gemeinschaft vor Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Gebaut wird in Ringform um den zentralen Platz herum, hier ist darauf zu achten, dass ab dem zweiten Ring eure Gebäude auch noch mit der Straße verbunden sind, ansonsten gibt es keine Möglichkeit für die gebeutelten Arbeiter, ihre Arbeitsplätze zu erreichen. Frostpunk bietet hier technisch ein typisches Städtebau-Gameplay. Neben dem Bauen könnt ihr neue Gebäude oder Technologien entwickeln und Gesetze festlegen, mit denen ihr die Bevölkerung zufriedenstellen oder im kritischen Fall kontrollieren könnt. Zudem habt ihr im Laufe der Entwicklung, Spähtrupps auszusenden, die Rohstoffe, Geräte oder neue Bewohner aus umliegenden Zielpunkten bergen können. Immer im Fokus: die Heizung. Je mehr ihr baut, desto höher ist der Heizbedarf und desto intensiver müsst ihr euch um die Erschließung und Beschaffung von Rohstoffen wie zum Beispiel Kohle kümmern. Uns gefiel der Survival-Faktor besonders, da er eine deutlich interessantere Herausforderung darstellt, als Stadtschulden oder streikende Müllabfuhren, doch hier will Frostpunk auch gar kein Sim City oder Cities Skylines sein, sondern positioniert sich ganz klar auf einem eigenen Feld. Naja und friert wie sau. 


Noch ist alles cool (ach, Sascha...)


Steampunk-Dystopia
Besprechen wir sonst Gamedesign und Optik gern in einem Punkt, trennen wir dieses Mal beide ganz bewusst von einander, zu vieles der Atmosphäre und des Feelings spielt sich hier hinter unseren Augen ab. Bei Frostpunk treffen historisch korrekte unmenschliche Zustände auf fiktive Multiplikatoren. Das späte 19. Jahrhundert zeichnete London nicht nur für seine Weltmacht, das Britische Empire, aus, sondern auch für die unmenschliche Ausbeutung von Arbeitskräften. Diese Bedingungen waren beispielsweise mit ein Impuls für den Philosophgen und Gesellschaftstheoretiker Karl Marx. Die inhumane Industrialisierung mit dem Blick über den Menschen paart sich in Frostpunk mit der unerbittlichen Kälte, die man aus Werken über Antarktis-Expeditionen oder Kriegsberichte aus den Russlandfeldzügen Napoleons oder der Deutschen. Das ganze wird ummantelt von einer Dampfmaschinerie, der Steampunk-Fiktion. Heraus kommt ein trostloser und allgemein sehr hoffnungsloser Kloß im Hals, bei dem ihr als Anführer insgeheim wisst, dass es stets nur eine Frage ist, wie lange es noch funktioniert. Und bei der ihr darüber entscheiden müsst, wie lange ihr euch der Antwort entzieht. Denn ist es soweit, ist das Spiel vorbei. Habt ihr lange genug durchgehalten, spielt ihr ein neues Szenario frei, das ihr anschließend im freien Spiel nutzen und an euren Anspruch an Herausforderung anpassen könnt.


Harte Entscheidungen hinterlassen einen bitteren Geschmack und das ist hervorragend


Rost und Ruß und Frost
So trist und begrenzt die Welt von Frostpunk klingt ist sie jedoch nicht. Viel Mühe wurde in die unterschiedlichen Gebäude, Dialogscreens und Bewohner gesetzt. Alles in eurer Stadt bewegt sich, leuchtet, oder friert ein wenn der Ofen ausgeht. Menschen ohne Obdach versammeln sich auf dem zentralen Platz um nicht sofort zu erfrieren und wenn langsam die Sonne aufsteigt und in den Krater scheint, kehrt die Hoffnung zurück, den neuen Tag zu erleben. Die bedrückende Atmosphäre der Hintergrundgeschichte und eurer Entscheidungen geht in der Darstellung dieser Welt auf. Die dicht bebauten Ringstraßen die mit der Zeit zu einem organischen Netz aufgehen wirken authentisch. Stapfen eure Arbeiter durch den dichten Schnee, ziehen sie kleine Schneisen hinter sich auf, sie selbst dick angezogen. Alle Gebäude sehen aus, als wären sie notdürftig aus zusammengerafften Utensilien aufgebaut, mehr auf Hoffnung gestützt als auf Halt. 

Entwickler 11 bit studios

Verlag Headup Games

In einer völlig zugefrorenen Welt entwickeln Menschen dampfbetriebene Technologien, um der überwältigenden Kälte zu trotzen. Das Stadtoberhaupt muss sich sowohl um die Bewohner als auch um die Infrastruktur kümmern, in der die Bürger leben. Taktische Führungsfähigkeiten werden auf die Probe gestellt, wenn Moralität und die Grundwerte dessen, was wir als organisierte Gesellschaft bezeichnen, in Zweifel gezogen werden. Hier geraten Optimierung und Rohstoffmanagement häufig in Konflikt mit Empathie und rücksichtsvollen Entscheidungen. Das Verwalten der Stadt und der Gesellschaft nimmt die meiste Zeit in Anspruch, doch ... [...]

Frostpunk
Die letzte Stadt muss überleben
 Navigation
  Seite 1  "Väterchen Frost sitzt mir im Nacken" 
  Seite 2  Die Victorian Edition 
  Seite 3  Fazit 
Zur Galerie