Seite 1 \\ Bugfest an der Ostfront
Iron Front: Liberation 1944 spielt im Zweiten Weltkrieg – einem mehr als ausgelutschten Szenario, was aber bei entsprechender Umsetzung immer noch begeistern und fesseln kann. Im Gegensatz zu anderen Shootern fährt der Titel von Deep Silver aber nicht die Hollywoodschiene, sondern setzt auf Realismus, unterstützt von der ArmA 2-Engine. Die ist allerdings auch mit einer mehr als mittelmäßigen KI behaftet und auch sonst alles andere als Fehlerfrei – oder haben wir es hier mit einer Ausnahme zu tun?Zurück in den Krieg
In Iron Front: Liberation 1944 verfolgt ihr die Wehrmacht beziehungsweise die Rote Armee in zwei unterschiedlichen Kampagnen durch die Sommeroffensive im Jahr 1944. Zu Beginn erlebt ihr einen kleinen Ausflug auf den Truppenübungsplatz, um in einem kleinen Tutorial die Grundzüge der Steuerung kennen zu lernen. Dabei lernt ihr aber wirklich nur die Basics, vieles bleibt unbeantwortet oder wird erst später aufgeklärt. Da hilft unter Umständen nur ein Blick in das beiliegende Handbuch.
![]() Anfangs seid ihr nur ein kleiner Soldat, könnt aber zum Kommandanten aufsteigen. |
Allgemein ist die Bedienung des Spiels äußerst umfangreich, was nicht gerade in ein solides Gameplay ausläuft. So sind nahezu alle Tasten auf eurem Keyboard mit irgendwelchen Aktionen belegt. Das könnt ihr zwar selber wieder nach euren Belieben konfigurieren, ist aber mehr als umständlich, wie wir es bereits in der ersten Mission merken. Als deutscher Soldat gilt es, eine Stellung gegen anrückende Feinde, die unter anderem auf Panzer zurückgreifen können, zu verteidigen. Nachdem wir den Befehl entgegen genommen haben, gehen wir hinter ein paar Sandsäcken in Deckung und sacken die Panzerfaust ein, die uns im anstehenden Gefecht mit Sicherheit Vorteile verschafft. Allerdings sehen wir die ersten zwei Versuche gar kein Land: Die russischen T-34 nehmen uns aufs Korn, feuern und unser Sandsack bietet gar keinen Schutz: der Bildschirmtod ist die Folge. Beim nächsten Versuch macht uns die KI einen Strich durch die Rechnung. Sie macht nämlich einfach gar nichts, außer blindlings in der Gegend herum zu laufen. Also laden wir den letzten Speicherpunkt neu. Dann klappt es: Mit Hilfe der PAKs können wir den russischen Angriff stoppen.
![]() Auch mit Kampfflugzeugen seid ihr unterwegs. |
Danach sollen wir ein nahes Gelände nach feindlichen Aktivitäten untersuchen. Dazu stehen uns unterschiedliche Flug- und Fahrzeuge zur Verfügung. In diesem Beispiel sind wir allerdings nur Beifahrer – und die KI zeigt auch direkt ihre Tücken. Anstatt die Straße entlang zu fahren, fährt unser Fahrer im Zick-Zack, um den Kübelwagen am Ende gegen einen unüberwindbaren Zaun zu setzen. Wir wagen einen zweiten Anlauf. Der geht zwar auch nicht reibungslos über die Bühne, aber wir reichen letztendlich unser Ziel. Ihr merkt: Iron Front: Liberation 1944 wird eure Nerven strapazieren – leider nur in seltenen Fällen mit aufregenden Gefechten, sondern mit der störrischen KI. Als wir den Feind endlich aufspüren, zeigt der Titel zudem seinen hohen Grad an Realismus. Oft beißen wir nach einem Schuss ins Gras, müssen neu laden. Das frustriert. Gerade Anfänger werden deshalb keinen Spaß mit dem Spiel haben – oder sind extrem frustresistent.
Der unsichtbare Feind
Zwar könnt ihr im Spiel zwischen vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen, aber selbst im Niedrigsten müsst ihr mit Bedacht vorgehen, um nicht ins Gras zu beißen. So robbt ihr mehr durch den Dreck, als dass ihr auf euren eigenen Beinen steht. Noch viel schlimmer als der virtuelle Feind sind allerdings die zahlreichen Programmierfehler, mit denen Iron Front: Liberation 1944 aufwartet. Ob das an der dafür bekannten ArmA2-Engine oder den Entwicklern liegt, wissen wir nicht. Der Qualitätskontrolle müssten solche Mankos aber auf jeden Fall aufgefallen sein. Gerade die verkorksten Scripts (wie die eingangs erwähnte Szene mit dem Fahrzeug…) verderben schnell den Spielspaß. Schade, denn aufgrund seiner enormen Kartengröße hätte Iron Front: Liberation 1944 die Chance gehabt, ein atmosphärisch dichter Taktikshooter zu sein. Denn seid ihr zu Beginn nur ein kleiner Soldat, dürft ihr später große Verbände kommandieren, mit Panzern um euch schießen und feindlichen Stellungen mit Flugzeugen bombardieren.
![]() Die weitläufige Spielewelt überzeugt - die Bugs weniger. |
Bei der grafischen Präsentation kann der Titel aber ebenfalls keine Bäume ausreißen. Zwar ist die weitläufige Spielewelt mit ihren kleinen Dörfern, den Schützengräben und dichten Wäldern schön anzuschauen, aber der gute Eindruck wird durch mittelmäßige Texturen, Clipping-Fehler und grauenhafte Animationen direkt wieder zerstört. Da kann auch die Sounduntermalung nicht helfen: eine mittelmäßige Sprachausgabe und die unpassende Vertonung der einzelnen Waffen hätten besser sein können.
Pluspunkte sammelt Iron Front: Liberation 1944 im Mehrspielermodus: Hier habt ihr es nicht mit nervigen Programmfehlern zu tun und das Spiel läuft erstaunlich rund. Mit dem mitgelieferten Editor ist es zudem relativ einfach, eigene Missionen zu erstellen. Hier zeigt der Titel ansatzweise, wie er hätte sein können: ein dichter, packender Taktikshooter. Dafür hapert es aber an zu vielen Ecken.
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