Heavy Rain

Unser Test zum Nicht-Videospiel

Seite 1: Morde, Drama, Origami!
Seite 1: Morde, Drama, Origami!
Seite 2: Zukunftsmusik
Seite 3: Gewinnspiel
Seite 4: Fazit

Es ist anerkannte Tatsache, dass Videospiele immer filmähnlicher werden. Die Qualität von Zwischensequenzen kann teilweise mit aktuellen Blockbusterfilmen mithalten und beschränkte sich die Story eines Spiels früher noch auf einige Textzeilen, so gibt es heute schon Spiele - wenn auch viel zu wenige - deren Dialoge und Charaktertiefe sich echt sehen lassen können. Heavy Rain verspricht nun den nächsten Schritt zu gehen und ist wohl das erste Videospiel, das sich zurecht als interaktiver Film bezeichnen lässt. Doch ist den Jungs von quantic dream das Experiment gelungen oder kann Heavy-Rain höchstens mit einem B-Movie mithalten?

 

 



Morde, Drama, Origami!
In Heavy Rain übernehmt ihr die Rolle von...ja von wem den nun genau? In Heavy Rain müsst ihr euch nicht mit nur einem spielbaren Protagonisten zufrieden geben, es gibt gleich vier! Und alle haben sie ein Ziel gemeinsam: Den Origami-Killer finden.
Der Origami-Killer ist ein Serienmörder der kleine Jungen entführt und nach 3 bis 5 Tagen in Regenwasser ertränkt. Die Leichen werden stets mit einer Orchidee auf der Brust und einer Origami-Figur in der Hand gefunden. Als mit Shaun Mars ein weiterer Junge entführt wird machen sich gleich vier Personen unabhängig voneinander auf, den Jungen rechtzeitig zu retten. Zum einen wäre da Shauns Vater Ethan, der - seit dem Tod seines ersten Sons von Visionen heimgesucht - von dem Origami-Killer vor eine Reihe von qualvollen Aufgaben gestellt wird, die es zu meistern gilt, will er seinen Sohn wiedersehen. Dann wäre da noch der FBI-Agent Norman Jayden, der - durch seine Drogensucht von seinen ganz eigenen Dämonen geplagt - der Polizei helfen soll den Origami-Killer zu finden. Der dritte im Bunde ist der von den Eltern der Opfer des Origami-Killers beauftragte Privatdetektiv Scott Shelby und schließlich wäre da noch, die zufällig in die ganze Geschichte gestolperte Madison. Diese vier Personen agieren mehr oder weniger unabhängig voneinander, auch wenn sich ihre Wege natürlich zwangsläufig im Verlaufe der Geschichte kreuzen.

 


Halb Film, halb Spiel - das ist Heavy Rain



Die Story in Heavy Rain ist sehr gelungen und wird vor allem von den glaubhaften Charakteren im Spiel getragen, etwas ziemlich unübliches für ein Videospiel. Alle vier Protagonisten haben ihre eigenen Motivationen, Probleme und seelischen Abgründe und auch wenn die Geschichte ein wenig lahm startet entwickelt sich der Plot sehr schnell zu einem packenden Krimidrama, dass euch an den Bildschirm fesseln wird. Die Dialoge sowie die Story sind dabei gut genug, als dass Heavy Rain selbst als reiner Film ordentliches Potenzial hätte. Dadurch, dass das Spiel aufgrund der vier spielbaren Charaktere in Episodenform gegliedert ist, kommt ihr der Wahrheit immer ein Stückchen näher und müsst dabei jederzeit um die Charaktere bangen; Es ist nämlich durchaus möglich, dass (mindestens) einer der Protagonisten ins Gras beißt, sofern ihr die falschen Entscheidungen trefft. Das Spiel hat mehr als nur zwei Enden, euer Handeln beeinflusst das Spiel also maßgebend und der Wiederspielwert ist garantier. Dabei tragen die Macher von Heavy Rain zwar an mancher Stelle ein wenig dick auf und gerade die wohl wichtigste Person im Spiel, Ethan Mars, wirkt beizeiten etwas naiv, aber alles in allem können vor allem die Charaktere und die gelungene Dramaturgie des Spiels überzeugen.

 


Heavy Rain ist voller glaubhafter Charaktere

 

Letzten Endes ist es aber nicht die Story an sich, die das Spiel trägt, sondern die Weise, wie diese Story präsentiert wird. Zwar seid ihr einen Großteil der Zeit nur zum Zuschauen verbannt, habt aber fast konstant Einfluss auf das Geschehen. Wollt ihr den Origami-Killer am Ende stellen, müsst ihr nachdenken, in brenzligen Situationen ein kühles Köpfchen bewahren, reaktionsschnell sein und braucht auch ein Quäntchen Glück.

Zwischensequenz Non-Stop
In unserem Preview sind wir bereits im Detail auf das Gameplay eingegangen, aber hier nochmal eine kurze Zusammenfassung:
Streng genommen kann man Heavy Rain nicht als Videospiel bezeichnen. Für ein Videospiel bietet Heavy Rain viel zu wenig Interaktionsmöglichkeiten. Heavy Rain ist vielmehr ein Film, bei dem ihr ab und an selber die moralischen Entscheidungen für die Charaktere treffen müsst und bei dem jede Actionszene in eine gigantische Quicktimesequenz ausartet. Die meiste Zeit bekommt ihr zwar auch die Gelegenheit mit der Umgebung zu interagieren oder dürft den Charakter sogar selbst steuern (Oh, mein Gott!). Die Grenzen zwischen Zuschauen und Mitmachen verlaufen dabei fließend. Das hört sich im ersten Moment wahrscheinlich unglaublich langweilig an, tatsächlich erweist sich diese Art der minimalen Interaktion aber als unglaublich fesselnd. Heavy Rain ist schlicht und einfach eine ganz andere Erfahrung als es euch das typische Videospiel bieten kann. Und dabei ist die Umsetzung alles in allem sehr gelungen. Die Quicktime-Events erfordern (je nach Schwierigkeitsgrad) eine Menge Koordination, Reaktionsschnelle und beizeiten auch pure Fingerakrobatik. Gerade in den Actionsequenzen kann Heavy Rain glänzen und auch wenn viele von euch Quicktime-Events inzwischen satt haben sollten, ist die Integration dieser bei Heavy Rain so gut gelungen, dass die wenigsten ein Problem damit haben sollten.

 


Da bahnt sich ein Kampf an

 


Auch sonst hat Heavy Rain ein paar tolle Tricks auf Lager. Die Aktionen, die ihr mit dem Controller ausführen müsst, ähneln die meiste Zeit den echten Bewegungen stark oder "fühlen" sich zumindest ähnlich an. Ist euer Charakter nervös oder in Panik verschwimmt der Text, der euch eure Dialogaktionen anzeigt und beginnt zu zittern, so dass ihr eventuell die Entscheidung trefft, die ihr eigentlich gar nicht treffen wolltet. Dabei beeinflussen eure Aktionen der Ausgang der Story immens. Je nachdem, wie ihr das Spiel angeht, kann die Sequenz und das ganze Spiel anders enden, ihr werdet vor eine Menge moralische Entscheidungen gestellt und müsst oft gut überlegen wie ihr vorgeht, euch an bestimmte Dinge aus der vorigen Szene erinnern, und, und, und. Heavy Rain ist schwer zu beschreiben, aber toll zu spielen. Eigentlich werdet ihr verhältnismäßig selten ins Spiel eingebunden und müsst die meiste Zeit zuschauen. Die Art und Weise, mit denen ihr aber über eure Interaktionen ins Spiel eingebunden wird ist unnachahmlich und die meiste Zeit echt clever umgesetzt. Heavy Rain spielt in vielerlei Hinsicht mit den üblichen Konventionen und die Gesten, die ihr per Interaktion mit dem Controller ausführt sind unglaublich intuitiv.

 


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